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Kinder brauchen lebende Vorbilder
– Ensembles brauchen Zeit zum Wachsen

Interview Henschel Quartett - Neues Projekt des Weltklasse-Ensembles und des Vereins Freunde des Henschel Quartetts zur Förderung der Kammermusik e.V. will junge Interpreten mit Kammermusik vertraut machen

Von Gerald Lindner, Augsburger Nachrichten

Wir sprachen mit Monika Henschel über ein neues Projekt, mit dem „Die Henschels“ sowohl Kindern Kammermusik und ihre Interpreten näher bringen als auch junge Ensembles unterstützen möchten.

Das Henschel-Quartett konzertiert immer wieder mit jungen Ensembles, schafft ihnen dadurch auch ein größeres Podium...
Monika Henschel: Das ist durchaus gewollt. Wir bestehen heuer 15 Jahre, können uns also nicht mehr wirklich zu den „jungen“ Streichquartetten rechnen. Aber wir wissen, wie wichtig die Unterstützung war, die wir zu unseren Anfangszeiten erhalten haben. Wir sehen es heute als eine wichtige Verantwortung an, junge Ensembles zu unterstützen, darüber hinaus Verbindungen zu schaffen, und damit am Ende die Konkurrenz auf internationalen Podien auf ein gesundes Maß zurückzufahren. Denn das Interesse an Kammermusik hat in den letzten Jahren ja stark zugenommen.

Wie soll die Unterstützung des Nachwuchses aussehen?
Monika Henschel: Wir wollen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Fragt man Kinder nach ihren Vorbildern im Sport, hört man die Namen Ballack und Podolski. Als Vorbild in der Musik wird oft Mozart genannt. Wir möchten, dass sich die Kinder mit lebenden Musikern identifizieren – mit einem Vorbild zum Anfassen, so wie es damals bei uns Itzhak Perlman war. Wie haben seine Platten immer wieder gehört und seine Konzerte besucht. Der zweite Gedanke ist die Förderung junger Ensembles. Wenn sie gut sind, kommen sie die ersten zwei Jahre mit Preisen und Folgeengagements über die Runden. Dann aber kommt, so haben wir das auch festgestellt, eine Durststrecke, bis man wirklich etabliert ist. Hier wollen wir ansetzen.

Und wie soll das konkret aussehen?
Monika Henschel: Ein „Ensemble-in-Residenz“, bestehend aus jungen Musikern, die gerade auf dem Absprung zur Karriere sind, gibt an einer Musikschule einmal im Monat einen Tag lang Musikschülern die Gelegenheit zum Kennenlernen von Kammermusik und arbeitet auch mit ihnen, dafür erhält das junge Spitzenensemble Honorierung. Sie haben somit – wenn auch wenig – feste Einnahmen, bis es bei ihnen weitergehen kann. Eine gewisse Grundsicherheit soll die Arbeit dieser Musiker erleichtern.
Die Kinder lernen an den „Ensembletagen“ die Musiker näher kennen und finden dabei vielleicht Idole. Bei unserem Pilotprojekt, das wir bundesweit am 1. Juli beim Festival des Henschel Quartetts in Seligenstadt vorstellen werden, arbeitet als junges Spitzenensemble das Münchner Diogenes-Quartett mit Musikschülern. Bei der Vorstellung präsentieren sie ihre Arbeit zunächst mit Schülern aus Seligenstadt, das Pilotprojekt wird dann an einer Münchner Musikschule stattfinden. Wir hoffen, dies einst auf ganz Deutschland ausweiten zu können – mit jeweils regionalen Ensembles.

Wer soll das bezahlen?
Monika Henschel: Wir haben all unsere Freunde und Unterstützer gebeten, statt Geschenken zu unserem 15-jährigen Bestehen, Geld zu spenden. Träger der Aktion ist der gemeinnützige Verein „Freunde des Henschel Quartetts zur Förderung der Kammermusik e.V.“, der sich auch unermüdlich um Spenden bemüht. Wir haben, ohne unbescheiden zu sein, eine Förderung nicht mehr nötig. Viele andere Ensembles aber schon. Und für diese setzen wir uns ein und hoffen, dabei gleichzeitig Kinder möglichst früh mit Kammermusik vertraut zu machen. Denn je älter sie sind, desto schwieriger ist es, sie für Musik zu sensibilisieren.

Quelle: Augsburger Allgemeine, vom 18.5.09


Workshop für Kinder in der Musikschule Grünwald

Am 12.6.2010 hat das Diogenes Quartett, finanziert von unserem Verein, der Rogler Stiftung und dem Bezirk Oberbayern, den ersten Workshop für Kinder veranstaltet. Aus 3 Musikschulen kamen 18 Kinder im Alter von 9 bis 18 Jahren. Es wurden 5 Ensembles gebildet.
Ziel ist es, die Kammermusik in Musikschulen durch die Begegnung mit einem professionellen Streichquartett anzuregen und zu fördern.      
Am Abend des ersten Tages gab das Diogenes Quartett ein Konzert und am 2. Abend durften die Kinder die erarbeiteten Stücke der Öffentlichkeit vorstellen.      
Der bayerische Rundfunk hat in einem Interview ausführlich berichtet.     
Die Reaktion der Schüler und der Musikschulen aber auch der Presse - es wurde in drei Zeitungen berichtet - ermutigt uns, dieses Projekt bald weiterzuführen.